Ausflugsziel Greifswalder Oie, Kegelrobben und Seeadler
Die Küste Vorpommerns ist voller spannender Geschichten – von den düsteren Kapiteln der Raketenentwicklung im Zweiten Weltkrieg über die jahrhundertealte Fischereitradition bis hin zu seltenen Naturparadiesen, die heute streng geschützt sind. Wer mit dem Boot, dem Fahrrad oder auch zu Fuß unterwegs ist, kann hier auf engstem Raum einen faszinierenden Mix aus Geschichte, Kultur und Natur erleben.
Peenemünde – Technik, Geschichte und Mahnung
Peenemünde liegt an der nördlichen Spitze der Insel Usedom. Im Zweiten Weltkrieg war es eines der geheimsten militärischen Test- und Entwicklungszentren des Deutschen Reiches. Ab 1936 entstand hier die „Heeresversuchsanstalt Peenemünde“, später ergänzt durch die „Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West“. Unter Leitung von Wernher von Braun und seinem Team wurde hier die A4-Rakete – später V2 genannt – entwickelt.
Was als technischer Fortschritt gefeiert wurde, ist untrennbar mit schweren Kriegsverbrechen verbunden: Die V2 wurde als Waffe eingesetzt, vor allem gegen London und Antwerpen, und forderte tausende zivile Opfer. In der Produktion setzten die Nationalsozialisten tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ein, vor allem aus dem KZ Mittelbau-Dora. Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren so katastrophal, dass mehr Menschen in der Herstellung starben als durch den späteren Einsatz der Waffen.
Heute erinnert das Historisch-Technische Museum Peenemünde an diese Zeit. Im ehemaligen Kraftwerk sind Originalteile von Raketen, Motoren, Ausrüstungen und historischen Fahrzeugen zu sehen.
Highlight im Hafen: U-461
Ein besonderer Blickfang ist das sowjetische Raketen-U-Boot U-461 aus den 1960er-Jahren. Es ist 90 Meter lang, hatte eine 78 Mann starke Besatzung und war in der Ostsee im Einsatz. Seit 1998 liegt es fest im Hafen – keine Sorge, Sinken ist ausgeschlossen, denn es steht sicher auf dem Grund. Heute kann man durch enge Gänge, den Maschinenraum und die Kommandobrücke gehen und so einen Eindruck vom Leben an Bord gewinnen.
Schiffstour zur Greifswalder Oie
Die Schiffstour zur Greifswalder Oie startet am Hafen von Peenemünde und führt vom Peenestrom in die offene Ostsee, vorbei an der Nordspitze Usedoms, der Lotseninsel Ruden und am Hafen von Freest vorbei bis zur kleinen Ostseeinsel Greifswalder Oie – oft „Helgoland der Ostsee“ genannt.
Nach etwa 90-minütiger Überfahrt erwartet dich auf der Insel eine geführte Wanderung durch das Naturschutzgebiet mit beeindruckender Flora, Fauna und dem markanten Leuchtturm (Besichtigung möglich gegen Gebühr.
Insgesamt dauert die Tour rund fünf Stunden, inklusive zweistündigem Aufenthalt – perfekt für einen naturverbundenen Tagesausflug mit schönen Aussichten und maritimen Eindrücken.
| Start & Dauer | Abfahrt ab Peenemünde, ca. 5 Stunden Gesamtzeit (inkl. Landgang https://www.schifffahrt-apollo.de/ |
| Überfahrt | Rund 90 Minuten durchs Ostseemeer – vorbei an Usedom, Ruden, Freest |
| Landgang | Geführte Inselwanderung (2 h; bei Spezialtour bis 3 h) |
| Leuchtturmbesichtigung | Optional, Ticket an Bord: ca. 3 € (Erw.) / 2 € (Kinder) |
| Teilnahmebedingungen | Mindestteilnehmer: 15 Personen; Führung verpflichtend; Hunde nicht erlaubt |
| Tickets | Vorab buchbar, besonders Mai–Oktober sehr beliebt Buchung |
| Naturschutz | Max. 50 Besucher täglich; Insel ist streng geschütztes Biotop (Vogel- und Pflanzenwelt |
Freest – Tradition und maritimer Charme
Nur wenige Minuten mit dem Boot über die Peene liegt der kleine Ort Freest und hier gibt es zunächst einen kurzen Zwischenstopp. Sein Hafen gilt als einer der ältesten Fischereihäfen Vorpommerns und war früher ein belebter Umschlagplatz für fangfrischen Ostseefisch.
In den 1950er- und 60er-Jahren gab es hier über 40 hauptberufliche Fischer. Zu DDR-Zeiten waren sie in der Produktionsgenossenschaft „Küstenfischer Freest“ organisiert. Gefangen wurden Hering, Dorsch, Hornfisch, Zander und Aal – und oft direkt vom Kutter verkauft. Heute sind nur noch wenige Berufsfischer aktiv, doch die Tradition lebt weiter: Am Kai kann man fangfrischen oder geräucherten Fisch kaufen, und in kleinen Werften werden noch Boote in Handarbeit instand gesetzt.
Das Fischerfest in Freest
Jedes Jahr am ersten Augustwochenende verwandelt sich der Hafen in eine Festmeile. Das Fischerfest zählt zu den ältesten und größten in Mecklenburg-Vorpommern. Besucher erleben traditionelle Fischerumzüge, Bootsparaden, maritime Musik, regionale Spezialitäten und als Höhepunkt ein farbenprächtiges Feuerwerk über dem Wasser.
Greifswalder Oie – Naturinsel mit bewegter Geschichte
Etwa 12 Kilometer nordöstlich von Usedom liegt die kleine Insel Greifswalder Oie. Mit nur 54 Hektar Fläche ist sie zwar winzig, aber von hoher Bedeutung. Ihre bis zu 19 Meter hohen Steilküsten machen sie gut erkennbar – und für Zugvögel ist sie eine willkommene Raststation.
Im 20. Jahrhundert wurde die Insel mehrfach militärisch genutzt. Während der NS-Zeit diente sie als Raketen-Testgelände im Zusammenhang mit den Peenemünder Entwicklungen. Später nutzte die Volksmarine der DDR die Oie, bevor sie nach 1990 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.
Heute ist der Zutritt nur im Rahmen von Führungen möglich. Wer das Glück hat, an Land zu gehen, erlebt eine beeindruckende Artenvielfalt. Über den Klippen kreisen Seeadler, und auf den Sandbänken vor der Insel ruhen Kegelrobben.
Kegelrobben an der Oie
Dank ungestörter Ruhezonen wie hier erholen sich die Bestände der Kegelrobben wieder. Die Männchen – „Bullen“ genannt – können bis zu 2,5 Meter lang werden, rund 300 Kilogramm wiegen und bis zu 70 Meter tief tauchen. Mehr als zehn Minuten können sie dabei unter Wasser bleiben – perfekte Anpassungen an das Leben im Meer.
NABU-Vogelwarte – Forschung im Dienste der Natur
Die Greifswalder Oie ist seit 1920 ein bedeutender Standort für die wissenschaftliche Vogelberingung. Der NABU betreibt hier eine Vogelwarte, in der jährlich tausende Zugvögel gefangen, vermessen, beringt und wieder freigelassen werden.
Durch diese Arbeit lassen sich Zugrouten, Lebensdauer und Populationsentwicklungen erfassen – wichtig, um Lebensräume zu schützen. Die Lage der Oie mitten auf einer Ostseeroute macht sie ideal für diese Forschung: Viele Vögel legen hier eine Rast ein, bevor sie ihre lange Reise nach Süden fortsetzen.
Leuchtturm – Einzigartig und traditionsreich
Das markanteste Bauwerk der Insel ist der Leuchtturm, 1855 aus rotem Backstein erbaut. Mit 49 Metern Höhe ist er der höchste reine Backstein-Leuchtturm der deutschen Ostseeküste. Seine Lichtquelle liegt 36 Meter über dem Meer und ist bis zu 24 Seemeilen (44 Kilometer) weit sichtbar.
Eine Besonderheit macht ihn einzigartig: Der Turm sendet ein links drehendes Lichtsignal – der einzige dieser Art an der deutschen Ostseeküste. Für Seeleute ist das ein unverwechselbares Merkmal zur Orientierung. Heute ist der Leuchtturm voll automatisiert und nur im Rahmen geführter Touren zugänglich. Von oben bietet sich ein atemberaubender Blick bis nach Rügen, Usedom und an klaren Tagen bis zur polnischen Küste.
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